Der Moment danach

Du kennst diesen Moment bestimmt auch. Etwas passiert, du kannst es nicht glauben und nicht fassen und erst in diesem Moment danach fängt dein Hirn an zu realisieren und zu verstehen was eigentlich gerade passiert ist. Genauso ging es mir auch. Runa habe ich „abgegeben“ und mich auf den Weg zur Schule gemacht. Als ich auf dem Weg nach Freiburg war hat das Adrenalin langsam nachgelassen, die Aufregung ist langsam gesunken und ich bin wieder verkehrstauglich gefahren😅. Aber ich war der glücklichste Mensch der Erde und nichts hätte diesen wunderschönen Tag verändern können.

Die ganzen sechs Schulstunden war ich in Gedanken bei Runa, hab den nächsten Moment nicht erwarten können Sie wieder auf dem Arm zu halten, die Wärme zu spüren die Sie sofort ausgestrahlt hat genauso wie die Ruhe mit ihr austauschen zu können. Alle fünf Minuten hab ich auf die Uhr geschaut und die Aufregung war nicht auszuhalten. Bis es endlich soweit war.

Noch während ich ins Krankenhaus gefahren bin um Runa zu sehen hat der (denke ich mal) normale Gedankenkreis angefangen. Alles hat angefangen mit dem Gedanken „Ich werde ein guter Dad für meine Tochter sein“, dazu kam dass ich ja in der zweiten Ausbildung „festsitze“. Die erste Ausbildung war die zum Einzelhandelskaufmann.

Ich wusste, dass mir das Geld hinten und vorne nicht reichen würde, ich wollte Zeit mit Runa, wollte, dass Sie mich bei sich spürt und hatte unglaubliche Angst davor, dass Sie mich nicht lieben, schätzen oder auch anerkennen würde, weil ich nicht jeden Tag wie ein „richtiger“ Vater da bin, keinen Alltag mit ihr habe oder Sie nicht jeden Abend ins Bett bringen kann.

Doch diese ganzen Gedanken haben sich in Luft aufgelöst als ich im Krankenhaus war und Runa wieder auf dem Arm hatte. Sie hatte eine kleine „Kette“ um das Handgelenk, aus kleinen Steinchen auf denen die Buchstaben Ihres Namens eingestanzt waren. Als dann auch noch ihre kleine zarte Hand meinen Finger umklammert hat, war die Welt für mich wieder in Ordnung.

In diesem Moment wurde mir mal wieder wirklich bewusst, wie viel dieser kleine Mensch in meinem Leben verändern würde und wie viel ich noch lernen musste.

Der Beginn zweier neuer Leben

Die Schwangerschaft meiner Exfrau habe ich nicht wirklich mitbekommen, da wir uns sehr früh getrennt haben. Dafür war das Gefühl, als ich morgens auf dem Weg zur Schule (ich war in der zweiten Ausbildung zum Steuerfachangestellten) den Anruf Ihres Partners bekommen habe, dass Runa auf der Welt ist umso schöner und intensiver.

Du kennst mit Sicherheit dieses Gefühl, wenn du zum allerersten Mal auf der Spitze einer Achterbahn bist, nach unten siehst, der ganze Körper anfängt leicht zu zittern und du spürst wie das Adrenalin sekündlich steigt. Das Glück, dass dieses riesengroße Geschenk auf das ich neun Monate (oder länger 🤔) gewartet hab ist endlich da. In dieser Sekunde war alles andere für mich unwichtig, ich wollte einfach nur meine Tochter im Arm halten bevor Sie ins Krankenhaus kommt (oh, bevor ich den Kontext vergesse 😅, Runa war eine schnelle und ungeplante Hausgeburt).

Mit genau diesem „alles andere ist unwichtig“ bin ich damals auch von mir zu Hause zu meiner Exfrau gefahren. Es war nicht wichtig ob ich geblitzt werde, ob ich einen Tag in der Schule fehle, oder, oder, oder. Ich denke du verstehst was ich ausdrücken will. 😅

Nach knappen 10 Minuten Fahrzeit war es dann endlich soweit. Ich habe Runa im Arm gehalten und dieser kleine Mensch hat auf einmal und aus dem Nichts so eine unglaubliche Ruhe in meinem Körper ausgelöst. Von einem zum anderen Moment bin ich zur Ruhe in Person geworden, vollständig konzentriert auf dieses kleine Wesen, bedacht darauf sie nicht zu verletzen, richtig zu halten und nicht fallen zu lassen. Auch Runa war wirklich ruhig, fast so als würde Sie mit mir „zusammen arbeiten“ wollen und mir zeigen wollen „alles gut Papa, entspann dich und genieß den Moment“.

Jetzt frägst du dich mit Sicherheit „warte mal, in der Überschrift steht, dass zwei neue Leben begonnen haben, aber geboren wurde ja „nur“ Runa“. Das ist völlig richtig, geboren in diesem Sinn wurde nur Runa. Mein Leben allerdings hat sich auch um 180 Grad gewendet, geändert, verschoben und völlig neu geformt. Wo ich vorher für mich selbst verantwortlich war, bin ich es jetzt auch für ein Kind. Vorher war es „nicht wichtig“ wen ich als Partnerin habe, jetzt ist meine oberste Priorität bei der Wahl meiner Partnerin, wie verhält Sie sich Runa gegenüber.

Der wahrscheinlich größte Unterschied im Vergleich zu vorher ist die Arbeit. Ich geh nicht mehr zur Arbeit um mein Leben zu leben sondern auch um Runa versorgen zu können, ihr etwas bieten zu können und für Sie etwas Geld zurück legen zu können, damit Sie es ein kleines bisschen leichter hat. (Bevor jetzt Kommentare auftauchen wie zb „Ein Kind das alles bekommt wird verzogen und lernt nicht wie man mit Geld umgeht“, ich rede hier nicht davon Runa mit Zucker (Geld) zu überhäufen und Ihr alles zu kaufen was sie möchte sondern davon etwas zum Führerschein oder zum ersten Auto dazu zu geben vielleicht sogar ihr bei der Ersteinrichtung der ersten Wohnung unter die Arme zu greifen).

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